Kannibalismus in der Medizin
Wenn man den Nachforschungen des britischen Medizinhistoriker Richard Sugg Glauben schenken darf, gab es in Europa bis zum Ende des 18. Jahrhunderts einen sogenannten medizinischen Kannibalismus.
Aus dem 17. Jahrhundert ist ein fragwürdiges Rezept des deutschen Pharmakologen Johann Schröder überliefert, in dem die Zubereitung von menschlichem Muskelfleisch beschrieben wird.
Auch der britische König Karl II ist dieser Art des Kannibalismus verfallen. Er soll täglich ein Destillat aus menschlichen Hirnen (des Königs Tropfen) zu sich genommen haben.
Die Menschen zu dieser Zeit glaubten, dass die im menschlichen Organismus vorhandene Lebenskraft auf diese Art und Weise einem anderen Menschen übertragen werden könne. Der Mensch müsse aber eines unnatürlichen Todes gestorben sein (etwa durch eine Hinrichtung).
Zu Pulver zerriebene ägyptische Mumien wurden seit dem Mittelalter ebenfalls als Heilmittel angesehen. Verkauft wurde dieses Mittel unter der Bezeichnung Mumia in europäischen Apotheken.

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Auch hier unterlagen die Menschen dem Irrglauben, dass der gute Erhaltungszustand der einbalsamierten Körper ein Zeichen für die enthaltenen besonderen Heilkräfte sei.
Viele jahrhundertelang gab es einen blühenden Handel mit echten und gefälschten Mumien, dieser dauerte bis in die zwanziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts an. Aus dem Pulver der zerstoßenen Mumienteile wurden Tinkturen und Salben hergestellt, gedacht waren diese für die innerliche oder äußerliche Anwendung. Die Salben und Tinkturen sollten zur Linderung und Heilung bei diversen Beschwerden verhelfen.
Mumia wurde seit dem 19. Jahrhundert fast ausschließlich nur noch in der Tiermedizin angewendet.

