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Tradition, Ritual und Religion

In den verschiedensten Kulturen wurde der sogenannte rituelle Kannibalismus durchgeführt. Hierfür erfolgte der Verzehr von Menschenfleisch, welches zum Teil von Menschen stammte, die einer Gottheit geopfert wurden.
In der Regel wurden von den Kannibalen oder Kopfjägern die Körper oder Teile eines Körpers der besiegten Feinde gegessen. Mit diesem Ritual wollte man ihre Kräfte erlangen.

In einigen Völkern wurden jedoch vornehmlich die Gehirne von Verwandten und Freunden gegessen. Alle diese Verhaltensweisen dienten nicht dem normalen Nahrungserwerb.
Die Menschen handelten eher mit einem religiösen, rituellen oder psychologischen Hintergrund. Mit der Mahlzeit wollten die Verzehrenden die guten Eigenschaften der Toten wie Stärke oder Intelligenz aufnehmen.
Aus diesem Grund wurden auch Körperteile bevorzugt, in denen der Sitz der Zauberkraft der Seele vermutet wurde. Diese Körperteile sind beispielsweise die Gehirne und Herzen.

Stammesszene
Foto: de.wikipedia.org || public domain

Im Umgang mit verstorbenen Angehörigen dient die Aufnahme von Teilen des Verstorbenen in den Körper der Lebenden dem Erhalt der Seele des Menschen.
Hinter dem Begriff Endokannibalismus steckt der Verzehr von eigenen Stammesangehörigen, meist aus religiösen Gründen.
Beim Exokannibalismus dagegen werden besiegte Feinde oder Verstoßenen des eigenen Stammes verzehrt.
In ihrem veröffentlichten Buch mit dem Titel "Consuming Grief" beschreibt die Ethnologin Beth Conklin von der Vanderbilt University in Tennessee den im brasilianischen Urwald lebenden Stamm der Wari. Die Angehörigen dieses Stammes praktizieren sowohl Endokannibalismus als auch Exokannibalismus.
Werden Feinde verspeist, wird dem Opfer jeglicher Respekt versagt und sein Körper wie der eines erlegten Tieres behandelt. Eigene Stammesangehörige hingegen wurden respektvoll in aufwändigen Bestattungszeremonien verspeist, um eine Beschmutzung des Körpers des Verstorbenen durch die Berührung mit der als unrein geltenden Erde zu vermeiden.