Kannibalismus in Extremsituationen
Kannibalismus, der durch Extremsituationen hervorgerufen wird, dürfte häufiger vorkommen als man glaubt. Es werden jedoch nur die wenigsten Fälle dokumentiert. Kannibalismus wurde häufig unter Schiffbrüchigen praktiziert um das eigene Leben zu retten.
Ein weiteres Beispiel für diese Form des Kannibalismus ist die Donner Party. Es handelt sich dabei um 87 Siedler auf ihrem Weg in den Westen, die in der Sierra Nevada vom Winter überrascht wurden.
Das englische Segelschiff "Mignonette" geriet im Jahr 1884 im Südatlantik in Seenot. Lediglich vier Mitglieder der Mannschaft konnten sich in einem kleinen Ruderboot retten.
In diesem Boot trieben sie fast drei Wochen hungernd auf dem Meer, sie beschlossen den 17 Jahre alten Schiffsjungen zu töten und zu verspeisen.
Den Aussagen der drei Mannschaftsmitglieder zu folge, sei der Junge bereits todkrank gewesen, weil er Meerwasser getrunken habe.
Die drei verbliebenen Mannschaftsmitglieder wurden später von einem deutschen Segelschiff gerettet.
In England angekommen, wurden die drei Männer wegen Mordes angeklagt und zum Tode verurteilt. Nach sechs Monaten wurde das Urteil aufgehoben und sie wurden frei gelassen.

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Bekannte Fälle, bei denen der Verzehr von Leichen in Notsituationen vorkam, sind die Leningrader Blockade (1941-1944) und der Flugzeugabsturz in den chilenischen Anden 1972, der auch unter dem Titel Überleben verfilmt wurde. Belegt ist Kannibalismus aus Hunger auch unter Kriegsgefangenen in sowjetischen Lagern im Zweiten Weltkrieg.
Insgesamt acht Fälle von Kannibalismus wurden von der Kommission für deutsche Kriegsgefangenengeschichte dokumentiert. Sechs dieser Fälle haben sich in Stalingrad zugetragen.
Ein deutscher Militärarzt, der in sowjetische Gefangenschaft geraten war, berichtete bei einer späteren Befragung folgendes: "Aus dem Lager, in dem ich selbst war, weiß ich aus eigener Erfahrung, dass der Hunger dort zum Kannibalismus führte. Von den nachts Gestorbenen waren am nächsten Morgen sichtbar Leichenteile angeknabbert, wobei dann über die Urheber natürlich nur gemunkelt wurde."
Während des Zweiten Weltkrieges ereigneten sich noch weitere Fälle von Kannibalismus. Im Jahr 1942 waren auf der Pazifikinsel Papua-Neuguinea rund 160.000 japanische Soldaten stationiert, die gegen die alliierten Truppen kämpften. Von der eigenen Armee wurden die Japaner nicht mehr versorgt und die Nahrungssituation spitzte sich schnell zu.
Aus diesem Grund wurden zunächst gefallene australische Soldaten verspeist.
Aber auch lebende australische Kriegsgefangene wurden getötet und anschließend gegessen.
Ein Flüchtling aus dem verarmten kommunistischen Nordkorea berichtet in dem Dokumentarfilm "Children of the Secret State" über den Kannibalismus in Nordkorea aus reiner Hungersnot. Wenn man den Angaben in dem Film Glauben schenken darf, soll dieser Bericht von weiteren Flüchtlingen bestätigt worden sein. Den Berichten zu Folge werde das Fleisch auf dem Schwarzmarkt als Schweinefleisch verkauft.

